Irgendwann haben wir verstanden, was uns nicht mehr guttut. Wir erkennen Zusammenhänge, reflektieren unser Verhalten und Entwickeln uns weiter. Wir wollen uns anders verhalten, weil wir wissen, was der beste Weg für uns wäre. Warum reagieren wir trotzdem oft in entscheidenden Momenten genau wie früher? Mit Anpassung, den üblichen Zweifeln, der Zurückhaltung?
Ein Punkt ist, dass das Verhalten noch nicht mit deinem Selbstbild übereinstimmt. Das ist der Behavior Gap.
Wenn wir eine neues ICH entwickeln wollen, mit neuen Verhaltensmustern, reicht Wissen nicht aus. Wer willst du sein? Was ist deine neue Identität? Willst du in Zukunft mehr für dich einstehen, mutiger oder selbstsicherer sein? Visualisieren und Pläne machen allein, ist nicht genug. Du musst so handeln, wie dein Zukunfts-ICH das machen würde: Selbstsicher und mutig. Warum das so schwer ist erkläre ich heute über den Behavior Gap.
Was ist der Behavior Gap?
Der Behavior Gap (auch Intentions-Verhaltens-Lücke genannt) beschreibt die Diskrepanz zwischen:
- dem, was du weißt oder willst
- und dem, was du tatsächlich tust
Du hast eine klare Haltung und eine klare Absicht. Im Alltag jedoch sieht dein Verhalten anders aus. Lass uns das mal an einem Beispiel einfacher erklären.
Ein Klassiker: „Ich will mich gesünder ernähren.“
Logischerweise, weißt du, was das bedeutet: Frisch zubereitetes Essen, Obst und Gemüse. Du bist motiviert und dann kommt der Alltag. Du hast Termine, wenig Zeit zum Einkaufen, keine Lust Salat zu putzen, die Kinder haben Hunger usw.
Was passiert? Du greifst doch wieder zum schnellen, fertigen Essen. Warum? Weil…
- es schneller geht
- es einfacher ist
- es weniger Energie kostet
- es zur Gewohnheit geworden ist
Du hast eine Absicht: ich will mich und die Familie gesünder ernähren, deine Einstellung ist klar, doch dein Verhalten folgt ihr nicht. Das ist die Lücke (Gap) zwischen deiner Intention und dem tatsächlich umgesetzten Verhalten.
Warum gute Vorsätze im Alltag scheitern
1. Bequemlichkeit & Gewohnheit
Dein Gehirn liebt Routinen. Automatisches Verhalten gewinnt fast immer.
2. Psychologische Prozesse
Unter Stress übernimmt dein Autopilot.
3. Energiezustand & Nervensystem
Wenn du erschöpft bist, entscheidest du nicht für „optimal“, sondern für „einfach“.
Wie schaffst du es jetzt, dass du tatsächlich handelst und dir somit ein neues Selbstbild erschaffst?
Du kannst dieses Problem nicht über den Kopf lösen. Mehr lesen, reflektieren oder analysieren reicht einfach nicht, um dein Verhalten zu ändern. Du musst dir deiner inneren Dynamiken bewusstwerden. Raus aus dem Autopiloten, denn nur dann kannst du eingreifen und selbst die Führung übernehmen. Oft ist es so, dass dein inneres Team dein Verhalten steuert. Ja nach Situation übernimmt einer die Führung oder ist schlichtweg lauter als die anderen Anteile.
Welcher Anteil hat gerade das Kommando?
- der, der wachsen will
- der, der Angst hat
- der, der Sicherheit sucht
- der, der gefallen will
- der, der zweifelt
Von diesem Anteil wirst du unbewusst geführt. Du willst gesünder essen. Wenn in dem Moment, der erschöpfte Anteil übernimmt, hörst du innerlich sehr laut: „Ich hab jetzt keine Energie dafür. Wir starten morgen damit.“
Der Schlüssel ist bewusste Führung: Achtsam erkennen, wer da gerade so laut ist und liebevoll den Anteil führen lassen, der in diesem Moment dein neues Selbstbild unterstützt. Du darfst lernen:
- deine inneren Anteile wahrzunehmen
- zu erkennen, wer gerade führt
- bewusst zu entscheiden, wer führen soll
Wenn die „richtige“ innere Stimme übernimmt, verändern sich dein Verhalten und dein Leben. Du wirst klarer, deine Energie stabiler und deine Entscheidungen stimmig. Wenn dein Außen zu deinem Inneren passt, du so handelst, wie du eigentlich handeln willst, dann wird es leichter, ruhiger und stressfreier für dich.
Fazit: Du bist nicht inkonsequent. Du bist gut, wie du bist. Jeder Anteil hat seine Berechtigung. Du darfst nur lernen, dein inneres Team selbst zu führen, der Chef am Round Table zu werden, um den Part einzusetzen, der jetzt optimal für dich ist.
Von Herzen, Nadine


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