Wie Anpassung und People Pleasing entstehen – und warum du dich beim Funktionieren selbst verlierst.

Viele Menschen glauben, sie seien einfach „so“. Hast du dir auch schon gesagt: "Ach, ich bin halt zu lieb"? Oder vielleicht auch, zu sensibel, zu verständnisvoll, harmoniesüchtig, still usw. Wir reden uns ein, dass das unsere Persönlichkeit ist. Dass, wir nicht aus unserer Haut können und man alles, was damit verbunden ist einfach hinnehmen muss. Was, wenn vieles davon einmal eine Überlebensstrategie war? Genau hier beginnt für viele Menschen ein tiefes Erwachen. Denn oft erkennen wir erst Jahre später, dass wir uns auf dem Weg unterwegs selbst verloren haben.

Wenn Anpassung Sicherheit bedeutet.

Kinder lernen sehr früh, was in ihrem Umfeld sicher ist. Sie lernen durch Beobachtung und die eigene Erfahrung, dass manche Gefühle in der Familie toleriert werden und andere nicht. Vielleicht auch, dass...

  • Anderssein Ablehnung hervorruft.
  • Widerspruch zu Streit führt.
  • Harmonie wichtiger ist als Ehrlichkeit.

Gerade als Kinder sind wir auf die Bindung angewiesen, also erkennen wir an, dass unsere eigenen Gefühle nicht wichtig oder falsch sind. Wir übergehen unsere Wünsche, weil wir uns nicht mehr trauen sie zu kommunizieren. Jahrelange Anpassung führt letztendlich dazu, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse überhaupt nicht mehr kennen. Schutz wird irgendwann zu Mustern und wir verlieren den Kontakt zu dem, was uns wirklich guttut.

People Pleasing bist nicht Du.

Viele Menschen halten People Pleasing für ihre Persönlichkeit, einen festen Charakterzug. „Ich bin halt ein Mensch, der immer für andere da ist.“ oder „Ich kann schlecht Nein sagen.“ oder noch glorifizierter: „Ich denke immer zuerst an andere.“

Wenn du ständig versuchst es anderen recht zu machen, geht das immer auf Kosten deiner eigenen Gefühle, Grenzen und Bedürfnisse. Das ist auf Dauer nicht gesund und unsagbar anstrengend dazu. Hand aufs Herz: Willst du das wirklich? Wirklich?

Versteh mich nicht falsch, es ist großartig, dass du hilfsbereit und empathisch bist, behalte das bitte bei. Doch frag dich bitte ganz ehrlich, ob hinter deinem Handeln nicht eher etwas anderes steckt. Hast du vielleicht unbewusst Angst vor Ablehnung, vor Konflikten, Angst davor nicht genug zu sein oder nicht geliebt zu werden? Dann kommt dein Verhalten nicht aus deinem Herzen. Das mag jetzt etwas hart klingen, doch: dann ist es Manipulation. Du gibst nicht, weil du Geben willst, sondern, weil du etwas erwartest. Nachvollziehbar?

Wenn du erkennst, dass du NICHTS dafür tun musst, um geliebt zu werden, wird es deutlich leichter im Leben. Das muss übrigens keiner. Das bedeutet, dass du für dich einstehen darfst - immer! Natürlich fühlt es sich unangenehm an, wenn du auf einmal anfängst Grenzen zu setzen, "nein" zu sagen oder klar deine Bedürnisse zu kommunizieren. Das ist für dein komplettes System mehr als bedrohlich. Dein Körper reagiert mit Stress, Schuldgefühlen oder innerer Unruhe. Das wird von Mal zu Mal besser und es gibt kleine Tricks, wie du dich dabei unterstützen kannst.

Willst du weiterhin Funktionieren oder endlich Leben?

Die eigenen Wünsche immer übergehen, den Job behalten, nur weil er Geld bringt ohne dir Freude zu bereiten. In einer Beziehung bleiben, weil man sich mit Kindern nicht trennt. Viele Menschen verbringen Jahre im Funktionsmodus: sie arbeiten, organisieren, kümmern sich, bringen viel Leistung und halten irgendwie durch. Was wurde dir als Kind erzählt? "Nur wer hart arbeitet, verdient gutes Geld!" "Man muss auch mal die Zähne zusammenbeissen.", "Stell dich nicht so an." usw. Kennst du? Wahrscheinlich hast du die Muster und Strategien aus deiner Kindheit weitergelebt, Erwartungen erfüllt. Das ist völlig normal. Mit dir ist alles in Ordnung, das machen wir alle so, wenn wir uns dessen nicht bewusst werden. Bleiben wir in diesen Automatismen, dann ist nach außen hin alles gut, stabile Beziehung, guter Job usw. Doch innerlich fühlen wir uns leer, erschöpft, abgeschnitten von uns selbst, mit Gedanken, wie:

  • „Ich weiß gar nicht mehr, was ich eigentlich will.“
  • „Ich funktioniere nur noch.“
  • „Ich bin für alle da, nur nicht für mich.“
  • "Ich hab garkeinen Zugang zu meinen Gefühlen."
  • „Irgendwie fühle ich mich gar nicht richtig lebendig.“

Dieser tiefe Selbstverlust kann langfristig zu Burnout, emotionaler Erschöpfung, Depressionen oder anderen körperlichen und psychischen Beschwerden führen. Bei mir selbst war es über viele Jahre eine schwere Depression. Deshalb weiß ich sehr genau, wie sich seelischer und emotionaler Stress anfühlt. Wenn wir dauerhaft mit Selbstzweifeln, innerer Unruhe, Angst oder dem Gefühl von Leere leben, gerät unser gesamtes System aus dem Gleichgewicht. Es fehlt der Wechsel zwischen Anspannung und echter Regeneration, was langfristig eben nicht nur emotional spürbar ist. Unser ganzer Körper reagiert darauf und leidet unter dem chronischen Stress. So geraten auch Verdauung, Immunsystem, Schlaf oder der Energiehaushalt aus der natürlichen Balance. Eigentlich bräuchten wir in solchen Phasen mehr Ruhe, gesündere Ernährung, Bewegung, frische Luft oder bewusste Pausen. Doch genau an diesen Dingen wird zuerst gespart, wenn keine Kraft oder Zeit mehr da ist. Der Grund warum eine rein isolierte Betrachtung oft zu kurz greift und man den Mensch ganzheitlich ansehen muss. Nur reden allein reicht oft nicht. Genauso wenig hilft es, Symptome isoliert zu betrachten, ohne nach der Ursache zu suchen.

Zurück zum Schutz: Wenn dein Nervensystem im Stressmodus ist, will es Sicherheit herstellen.

Jede Stressreaktion läuft nach Schema: Stress kommt, erreicht sein Plateau und baut sich wieder ab. Die bekannten Varianten sind Kampf, Flucht oder Erstarren (Fight, Flight or Freeze). An dieser Stelle nur kurz erwähnt: Stressabbau erfolgt heute in den wenigsten Fällen sinnvoll. Was passiert also? Wir wollen den Stress nicht haben und wiederholen unbewusst dieselben Muster, wie in der Kindheit. Obwohl wir längst verstanden haben, dass sie uns nicht guttun. Warum? Weil wir noch keine Alternativen haben, die sich für unser System sicher genug anfühlen. Es kommt erneut zu:

  • Anpassung
  • Rückzug
  • Überfunktionieren
  • Harmonie herstellen
  • Gefühle unterdrücken
  • Kontrolle

Wir bestätigen die alte Verhaltensweise erneut, weil der Druck, der sich aufgebaut hat, erstmal weniger wird. Du erkennst sicher, dass nachhaltige Veränderung nur erreicht wird, wenn DU dein ganzes System mitnimmst. Genau deshalb arbeite ich nicht nur über Gespräche, sondern auf mehreren Ebenen:

  • Mental: Muster erkennen und verstehen
  • Emotional: Gefühle zulassen und regulieren
  • Körperlich: Das Nervensystem beruhigen
  • Energetisch: Wieder bei sich selbst ankommen

Du darfst außerdem erkennen, dass du nicht besser, noch mehr leisten oder perfekt werden musst. Es geht darum zu erkennen, wer du unter all den Schutzmechanismen wirklich bist: Evolve Your Soul (Entwickle deine Seele - pack dich endlich aus), meint mein Slogan.

Was magst du wirklich?
Was fühlt sich für dich wahr an?
Wo übergehst du dich ständig selbst?
Welche Bedürfnisse hast du eigentlich?

Dieser Weg braucht Mut, um ehrlich mit dir selbst zu werden. Du darfst lernen:

  • Dass du nichts tun musst, um geliebt zu werden.
  • Dass du Grenzen setzen darfst.
  • Dass deine Gefühle wichtig sind.
  • Dass deine Wahrheit, keinerlei Erklärung braucht.
  • Dass du Pausen machen darfst ohne schlechtes Gewissen.
  • Dass du an erster Stelle stehen darfst.
  • Dass du dich selbst ernst nehmen darfst.
  • Dass du wichtig bist.

Schritt für Schritt. Denn nur so wird es sicher.

Ich bin da, wenn du Unterstützung magst.

Von Herzen, Nadine